NarcisRadio_AlleFaedenVerloren

RadioDifficulture — 25. April 2021
Radio LoRa, 97.5 MHz — SO21, 21.45-22.30 Uhr

„20210425_NarcisRadio_AlleFaedenVerloren“ (45 min) als mp3 hoeren:

Wir haben alle Faeden verloren — Eine Sendung mit Karol Popinski

K.Roll, der polnische Kuenstler, Rapper alias Karol Popinski, ist das kuenstlerische »Fundstueck» das in dieser Sendung zu Wort kommt und vorgestellt wird. Der Mittdreissiger ist in Deutschland aufgewachsen und vor drei Jahren nach einem Abstecher nach Amerika in Zuerich gelandet. In Resonanz zu unseren Gespraechen und zur frueheren Difficulture-Sendung Tojoke hat er Texte verfasst, die hier praesentiert werden. »Tojoke — to Joke, alles ueber Teamwork in Pilzgesellschaften» ist selber schon eine versponnene Reflexion auf den Film »Joker; von Todd Philipps.

Begleitet wird K.Rolls fulminante poetische Performance u.a. durch das 1920 erfundene »Aetherwelleninstrument» Theremin, das bei unserer ersten Begegnung unvermittelt zu heulen und zu schreien begann. Es bietet die akustische »Illustration» zu den gedankengesponnenen Faeden, die wir auf dem Weg verloren haben. Die Faeden und Gespinste reichen vielleicht in ihrer Verlorenheit gerade oder gebogen in die Tiefen transzendentaler Schwingung hinein, in der die Sprache frueher oder spaeter versiegt und versagt . . .

Die Maegenwiler Amsel singt ihre Ostermontagsrede, bejubelt und bestaunt durch die Gesellschaft der gefiederten Kleindinosaurier.

Was ist die Message ?

Narcis Radio: Damit wir uns nicht falsch verstehen: weder richtig noch falsch — wir haben alle Faeden verloren — alles passiert im Hintergrund

Mit Karol Popinski sind weitere Sendungen und mediale Rueckkoppelungen geplant. Im DuoPack greifen wir mit »Narcis Radio» einen Faden wieder auf, der in der Difficulture-Serie ueber »Geister und Medien» bereits verloren wurde. Wir schleichen wir uns schuechtern-neugierig an die Jahrtausend-Psychose des Narzissmus heran. — Neben seiner Unantastbarkeit, die wohl zu den fatalen Erfolgen narzisstischer Persoenlichkeiten in unserer Kultur beitraegt, steht der vergeistigte »Todesdaemon» Narziss auch fuer das Eintauchen in die Welt transzendentaler Aesthetik. Narzissmus ist ein zweischneidiges Schwert, ein Spiel mit dem Feuer — wie der berauschende Duft und die Schoenheit einer erbarmungslos toedlichen Blume.

Die Rueckkoppelung der Medialitaet enpuppt sich als die Falle, in der die paradiesische Unbeschwertheit verloren geht. Wie durch ein Virus infiziert, berausche ich mich als winzige Bakterie in den Spiegelsystemen der Sprache, Schrift, der Vision des Wissens und ich stuerze geradewegs in die Vorhoelle einer Zombie-Society, die aus den Gestaengen ihrer Glaubenssysteme schwindelerregende Turmbauten und atemberaubende Kristallpalaeste zu errichten vermag. Die Rufe der Nymphe Echo, die in Ovids Fabel verzweifelt versucht, Narziss in ihrer verspielt-taenzerisch-harmonischen Pflanzenwelt zu behalten, verhallen in der universalen Weite seiner Geisterwelt. Die beiden verlieren sich bevor sie sich gefunden haben, die Liebe zerbricht, das Drama nimmt seinen Lauf, alle Faeden sind verloren . . .

In der Selbstvergessenheit des Erkenntnisrausches, im aesthetischen Staunen gibt es mehr zu sehen, als nur als nur das eigene Gesicht im Widerschein der verwellt-spiegelnden Wasseroberflaeche. Der Entzug der eigenen Koerperlichkeit ( Verlust oder Gewinn ? ) und die Reise in die Abgruende der schillerndsten Nahtoderfahrungen. — Stichworte fuer diese vertiefte Narzissmus-Meditation. — Im Verlieren finde ich meine Grenzenlosigkeit.

Aas or Arts ?

Und ich — Narcis — vergesse mich selber im Nichts, verwechsle das Jenseits mit der Gegenwart, den Tod mit dem Leben— weil doch »die beiden» eigentlich — ausser in der Geisterwelt des Sprechens — noch nie unterschieden werden konnten . . .


TMS 20210425
Mit herzlichem Dank an Karol Popinski und an Blanca Maria Lagunez

Schlusssong in Eigeninterpretation:
Tuyo Sera (Narcos Theme Song) — Rodrigo Amarante

https://www.youtube.com/watch?v=GJm7H9IP5SU