Kategorie-Archiv: Allgemein

Geister & Medien — ZHdK-Masterprojekt

GROOVE & ENTROPIE, 1. Zyklus: GEISTER & MEDIEN

Hier wird die Video-Masterarbeit »Geister und Medien» von Tobias Markus Strebel veroeffentlicht. Die Online-Premiere ist am 6. Juni 2019, dem Termin der Diplomausstellung der Zuercher Hochschule der Kuenste, (Kulturpublizistik: Ort: Curateria, Raum 5.K04, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zuerich 5)
»Geister und Medien» ist eine visuell-soundpoetische Arbeit, in der in einer Art »Meditation» ueber die Medialitaet des Menschen nachgedacht wird. Das »Radio-Picture» besteht aus sechs Videostuecken à 15 Minuten, die den ersten Zyklus der Reihe »Groove & Entropie» vollziehen

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Praesentation der Gesamtserie:

Links nach Kapiteln, mit »Abstracts»:


Kapitel 0, (Vorspeise) — »GEISTER UND MEDIEN»
(published: 20190609)

00 — Geister und Medien

Das Feld der Aspekte wird aufgespannt. — Was bringt das Postulat, dass sich »das Gegenwartsmensch» ein bisschen mehr »fragende Klarheit» verschaffen soll ueber die Begriffe der Gei-
ster und der Medien? Was bringt es, oder was ist das Revolutionaere daran, ueber die eigene Medialitaet nachzudenken? Die Frage veranlasst den Versuch, Offensichtliches zu sichten und dort neu zu visualisieren, wo es trotz seiner ganzen Offensichtlichkeit durch Tarnungen in Verborgenheit gesunken oder in Vergessenheit geraten ist. — Geister koennten als »die reine Ereignishaftigkeit» gedacht werden — nicht Materie sondern Prozess. Und wir Menschentiere haben ein Gefuehl dafuer, weil wir selber Hybridwesen sind: halb Materie und halb Ereignis. Die Radiovernetzungs- und Uebersichtsplattform »radio.garden» setzt unser huebsches blaurundes »Global Village» in ein positives »Licht». — Boris Groys sagt, dass wir in einer Medienwelt leben, die uns Botschaften vermittelt, die hinter der medialen Oberflaeche verborgen bleiben — claro! Jacques Derrida behauptet (in Ken Mc Mullens Film Ghost Dance, 1984), die Zukunft gehoere den Geistern. Das Kino sei eine Kunst, die das Wiederkehren der Geister ermoegliche, und miteinander kombiniert ergaeben Psychoanalyse und Kino eine »Science des Phantomes». Gemaess Friedrich Kittler verschaltet sich die Natur in den vernetzten Computern mit sich selbst, waehrend die Interessen der Menschen doch eher marginal bleiben. — Der Hegel’sche »grosse Geist» habe sich in der Informatik mit auf Mathematik eingelassen, und die gute alte menschenbetriebene Philosophie stehe neben dieser Tatsache wie ein »Gehoernter».


Kapitel 1 »Resonanz und Beschwoerung» 15 min
Kapitel 2 »Koerper/Medium» 15 min
(published: 20190603)

01 — Resonanz und Beschwoerung
Ich wandle im Keller des ZHdK-Toniareals hin und her, hoere Stimmen und rufe stumm »die Geister» an. Die Stimme von Derrida redet ueber Glauben, Zweifel und den Atheismus der »True-Believers», jene von Groys erzaehlt etwas ueber Gespenster. Zwischendurch taucht die Frage auf: »What is the difference between a cult and a perversion?» die Antwort ist: »I don’t know what the difference is, but I know: they’ve got same feeling in some strange way!»— dann dringt Susann Walders Stimme aus dem Jenseits in unsere Ohren: »I just call to say I love you».

02 — Koerper / Medium
Die Kaskade von Medienrevolutionen, die unsere paar Generationen erleben durften oder mussten, werden anfangs so fluechtig wie kryptisch angesprochen. Dieter Mersch gibt mir eine Auskunft ueber eine Verschraenkung von technischem Geraet und Magie und von Edmund Husserl stammt ein Text ueber die Verschraenkung des Fuehlens und des Wissens. — Danach kehren einige koerperlose Stimmen durch die fluid-ereignisshafte Koerperlichkeit der Interfaces von Sound und Bild in die Gegenwart der geschaetzten Hoererschaft. Die
kratzende Wachsplatte aus dem Jahr 1889 hat eine rauschende Koerperlichkeit: Otto von Bismarck singt die Marseillaise.


Kapitel 3 »Spiegelung & Echo» 15 min
(published: 20190606)

03 — Spiegelung/Echo, Narziss ueber die Schultern schauen

Julia Kristeva spricht ueber Echolalien, Spiegelungen, die bei der sprachlichen und sozialen Entwicklung der Menschenkinder so wichtig ist, aber auch die Welt zerteilen. Tamara laesst Tobi duldsam die Entdeckung, bzw. die Sensation des Handspiegels nacherleben. Im Narziss-Reenactment zerfetzt die Wasseroberflaeche sein Gesicht. Und auch die textlichen Echolalien unterschiedlicher Herkunft verlieren ihre Form und Deutlichkeit in ihrer sich ueberlagernden Verdichtung im Jetzt. Von Marshall Mc Luhan dringt etwas ueber Medien als Narkotika durch.

Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden koennen, tauchen unvermittelt auf und ab. Kurt und Tobi versuchen halb freudig, halb verzweifelt mit Worten nach der Aufloesung und nach dem Widerschein zu greifen.


Entgegen frueheren Ankuendigungen habe ich beschlossen, die 6 Filme nicht von Anfang an en-Bloc zu veroeffentlichen, sondern ich fange an mit Kapitel 1 und 2: »Resonanz & Beschwoerung» und »Koerper/Medium», in Tranche 2 das Kapitel 3 »Spiegelung/Echo».// Heute Pfingsten schalte ich unerwarteter- und widerspruechlicherweise das Intro auf.//
Die restlichen 2 Videostuecke folgen im Laufe des Juni


Bei allem Hang zur Beschwoerung und zur Hervorhebung der ganzen Geisterhaftigkeit, die ja nicht nur mich umgibt, sondern alle an das so tiefgruendige WorldWideWeb angeschlossenen Menschenwesen, bleibt die Sache zunaechst doch eher nuechtern und hat neben dem kuenstlerischen Zugang auch einen Hang zu »wissenschaftlichen» Bezuegen, wenn ja auch (nach Platon) das Wissen lediglich als die etwas festere Gradation des Glaubens gelten kann. Er sagt: »Wissen ist begruendbarer, wahrer Glaube» — Wissen und Glaube als Gegensaetze zu betrachten, waere also eine eher abstruse Art, Gewissheiten zu beschwoeren, die es in ihrem absoluten Sinn hoechstens im Medium der Sprache geben koennte (der Mathematik koennten wir vielleicht schon mehr Vertrauen schenken). Und Boris Groys sagt: »Wir wissen eigentlich nicht, wie weit die Faehigkeiten eines einzelnen Menschen reichen». — Diese Aussage steht ganz am Ende von Kapitel 2 meiner »GeisterUndMedien»-TV-Serie.


demnaechst folgen:
Kapitel 4 »Mythen»
Kapitel 5 »Wahn & Sinn»



Vom 6. bis zum 21. Juni werden in der Diplomausstellung der ZHdK im Raum 5.K04 66 Exemplare der zugehoerigen Theoriearbeit »Geister und Medienkonzepte» verschenkt. Diese wird vorerst nur in gedruckter Form publiziert. Ihre Schluesselthemen sind Radiowellen und Narzissmus.

Waehrenddessen gruesse ich freundlich, wuensche allen »Happy Vision» und »Beautyful Spring» — und ich horche auf Resonanz und Nachhall
TMS, 20190604

Allerherzlichsten Dank an Tamara Huber, Kurt Honegger, Dieter Mersch, Christoph B. Keller, Jochen Kiefer, Robbie Mueller, Françoise Krattinger und meine kritischen Mentoren Ruedi Widmer und Tobias Gerber

— — —
Neben den Videostuecken (und in Vorarbeit zum Masterprojekt) wurden hier bisher 10 Radiosendungen à 45 Min zum Hyperkomplex der »Geister und Medien» publiziert.

Auf RadioLora, SO21 ausgestrahlte Sendungen zu »Geister & Medien»:

20190519_RadioDifficulture GM#10
Religions are Puppet-Games: Knowledge is a disease — Bilderkult und die Erfindung der Goetter — Hoerspiel einer musikalischen Hoellenfahrt

20190324_RadioDifficulture GM#9
Stadtgezwitscher und Schwarmgespraeche

20190127_RadioDifficulture GM#8
Aetherreisen

20181230_RadioDifficulture GM#7
Radioaktivitaet Wild & Free

20180715_RadioDifficulture GM#6
The Medium ist the Mess — Geister im Netz und die Namen des Mediums

20180520_RadioDifficulture GM#5
. . . soweit nichts Ueberraschendes (zu Pfingsten): die Logik des Spuks !

20180324_RadioDifficulture GM#4
Spring, Beautyful Spring ! (koerperlose Stimmen #2)

20180128_RadioDifficulture GM #3
Ghost Dance — to come from nowhere (koerperlose Stimmen #1)

20171203_RadioDifficulture GM #2
Solipsismus

20170716_RadioDifficulture GM #1
Luhan Mc Anical Bride

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Und ebenfalls hier verlinkt: ein Textbeitrag zur Documenta 14, der ebenfalls Teil des Zyklus »Geister und Medien» ist
GM#00 — IGNORANZ IST EINE TUGEND
IGNORANZ IST EINE TUGEND — Gedanken zur performativen Setzung des Grosskunstwerkes documenta 14: «Lernen von Athen»


Der Korrespondent auf dem Ratnagiri Hill, Pushkar, Rajasthan, India —
hinter Savitri Mata Mandir. © Copyright by Tamara Anne Huber

RadioDifficulture GM#10 — Religions are Puppet-Games: KNOWLEDGE IS A DISEASE — Bilderkult und die Erfindung der Goetter — Hoerspiel einer musikalischen Hoellenfahrt


Bild: Der »benediktinische» Buddha und der kleine Nandi aus Varanasi geben dem Kristallmic aus den DDR-50-ern ein Interview . . .

Sendung vom 19. Mai 2019

„RELIGIONS ARE PUPPET GAMES — Geister und Medien #10 als mp3 hoeren:

1
»Religionen sind Puppenspiele» ist vielleicht eins der vorlaeufigen Fazits (gibt’s denn dieses Wort in der Mehrzahl?) meiner uferlos-poetischen Geister- und Medien-Forschung, die ich an der ZHdK in meinem Masterprojekt angefangen habe. Puppenspiele werden hier nicht etwa abschaetzig betrachtet, eher stehen sie als magisch aufgeladene Inszenierungen von kindlichen Geistern den raffinierteren aber genauso phantasischen Konstruktionen der Religionen Pate

Hervorgerufen wurde dieser »Slogan» u.a. durch die Beschreibungen von buddhistischen und Hindu- Ritualen, die Alexandra David Néel machte. Sie unternahm Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lange Reisen nach Indien und in andere Laender Asiens. Die abenteuerliche Frau, der lesend »zuzuhoeren» sich lohnt, wurde beinahe 101 Jahre alt. Parallel zu ihrer Erscheinung in meiner Soundcollage zerfetzt der Indische Philosoph U.G. — Upaluri Gopala Krishnamurti gluecklicherweise alle Gewissheiten, die zuvor durch meine Texte entstanden sein koennten. — Solange mer es im Medium der Sprache tut, kann mer getrost und mit zuverlaessiger Scheingewissheit sagen: »Words are very unnessesary» (Depeche Mode) oder »Language is a Virus — uh!» (Laurie Anderson)

Fuer die Soundspur, die dem 45-minuetigen Hoerspiel zugrunde liegt, hat mich Dominik Brun del Re musikalisch unterstuetzt — herzlichen Dank! — Die Sendung ist eine musikalisch-poetische Bricollage, die die angesprochenen Themen immer nur mit Oberflaechlichkeit anschneidet, aber doch im Interesse der entrueckten Gesamtschau, verschiedene Aspekte in einem »Bild» versammelt . . .

Quelle der eingespielten U.G. Krishnamurti-Diskussion:

Quelle Alexandra David Néel:

Quelle Shanti Matram:
https://www.youtube.com/watch?v=o4HbD_uNKPw

2
Am Donnerstag 6. Juni ab 17 Uhr ist ZHdK-Diplomvernissage, an der im Toni-Areal die Bachelor- und Masterarbeiten praesentiert und fuer eine Woche ausgestellt werden.
https://www.zhdk.ch/veranstaltung/38227

Meine MA-Arbeit »Geister und Medien — Eine Theorie- und eine Videoarbeit zu Medien als Transzendenzschnittstellen, Ereignishaftigkeit, Spiegelung und Echo, Sinn und Wahn» wird dort als kleines Heftchen ausgestellt. Von der theoretischen Arbeit werden in den sieben Ausstellungstagen in der »Curateria» im 5. Stock 66 nummerierte Kopien verschenkt. — Danach ist das XtraMedium-Heft XXM#6 — weiterhin — nur in gedruckter Form, gegen 5 CHF zu haben (Bestellung: info@difficulture.ch — Betreff: XXM 6 Geister und Medien)

Da drin wird ein bisschen erzaehlerisch- fokussierend »gereist, gesucht und geschaut»; — mit besonderer Konzentration auf die beiden kulturellen Hyperkomplexe von »Radiotechnologie» und »Narzissmus»

3
Die Videoarbeit, Zyklus 1 der Reihe »Groove & Entropie» mit dem Titel »Geister und Medien — Ueber die Symbiose von Sinn und Wahn» hat am gleichen 6. Juni Online-Premiere. Die Links werden an der Diplomvernissage mit Flyern publiziert und auch auf www.difficulture.ch veroeffentlicht

Die Arbeit besteht aus sechs 15-minuetigen Videostuecken, die mit den Zuschauer_innen vor dem Bewusstsein der eigenen Medialitaet, in einem Reigentanz durch verschiedene Phasen hindurchschwirren — halb delirierend und halb durch »wissenschaftliche» Gesteinsbrocken untermauert. Aus der »Vision und Beschwoerung» werde ich konfrontiert mit der »Koerperlichkeit» und bewege mich ueber die »Selbstbepiegelung» hinab in die Erklaerungsversuche der »Mythen» um schliesslich im »Wahnsinn» tanzend und mich-selbst-aufloesend-verlierend wieder zu mir selber zu finden — parat fuer die naechste Runde. — Wer vielleicht sowas mag . . .

tobias strebel

((hier folgt demnaechst der +/-vollstaendige Text aus der RadioShow))

GM#7 — Radioaktiv

(SchonWiederOuroburos!)—RADIOAKTIV — AnalogFM — Narziss&Echo — Einfuehrung neuer Medien — Geister und Medien #7 als mp3 hoeren:


Die Sendung heisst »Radioaktivitaet Wild&Free» und dreht sich vor allem um drei Dinge:
Das erste ist Analogradio FM, das in etwa 5 Jahren abgestellt werden soll (durch DABplus abgeloest) und als Analogradio vor ziemlich genau hundert Jahren Einzug in eine fuer uns ziemlich unvorstellbar gewordene Medienwelt hielt. Mein Vater baute sich als junger Teenager kurz nach dem Krieg noch selber einen Radioempfaenger um im katholischen Internat einen Draht zur Aussenwelt zu »knuepfen».
Das zweite ist die Einfuehrung neuer Medien. Ausschnitte aus einem Tages-Anzeiger-Artikel von Karin Janker (»Fake News vom Mars», 22. Nov.) berichten ueber Irritationen der Glaubhaftigkeit in den Anfaengen von Kino und Radio. Mit Dieter Mersch, Medienwissenschaftler und Philosphieprofessor an der ZHdK habe ich ein kurzes Gespraech ueber die Tuecken gefuehrt, die sich zeigen, wenn neue Medien eingefuehrt werden.
Und drittens gibt es ein kurzes Intermezzo, das sich um Narziss und Echo dreht.

Es werden mehrere Durchlaeufe durch diese drei bodenlosen Themenfelder sinnvoll sein, um die Zusammenhaenge deutlich zu machen, — vorerst drehe ich nur eine erste Runde. — Mit von der Partie sind neben Dieter Mersch (stimmhaft — etwa ab Min 24) und Karin Janker (als Text) auch die zwei Trailer, die ich fuer meine ZHdK-Kulturpublizistik-Masterarbeit »Geister und Medien» gemacht habe, den einen im September 2017 den anderen im Januar 2018. Ausserdem musiziert Boy Harsher (»Morphine» und »Pain (Breaks the Rhythm)»)

(Die Abschlussarbeit, eine Theoriearbeit und eine 90-minuetige Videoarbeit habe ich am 19. Dezember abgegeben und hoffe erstmal auf Anerkennung).

Allen guten Geistern einen guten Jahreswechsel und die Gesellschaft anderer guter Geister im naechsten Jahresdurchlauf . . .
TMS

Links
Ausschnitte aus:
Orson Welles – War Of The Worlds – Radio Broadcast 1938 – Complete Broadcast

Ken Mc Mullen, »Ghost Dance»:

Jacques Derrida, »TRaces»: »April 2003 tRACES Day 1: Jacques Derrida Keynote Response to Etienne Baibar»

Jacques Derrida On ‚Atheism‘ and ‚Belief‘:
https://www.youtube.com/watch?v=r3fScS2cnB0
Native American Spirits – Ghost Dance Movement:

Songs:
Boy Harsher, »Pain»:

d.o., »Morphine»:

Jona Lewies‘ Weihnachtslied »Stop the Cavalery» wird quasi zitiert

GM#6 — The Medium is the Mess

THE MEDIUM IS THE MESS — Geister im Netz und die Namen des Mediums — Geister und Medien #7 als mp3 hoeren:


Ueber das Nichts kann mer eigentlich nichts sagen (was nicht heisst, dass mer drueber nicht tausend Worte verlieren koennte), aber ueber das, was zwischen dem Nichts und dem Etwas liegt zu reden, — ueber das zu reden sind wir alle — Vetreter_innen der Tierart »Mensch» — die eigentlichen Profis . . .

In dieser Sendung geht es primaer darum, dass wir selber die Medien sind, durch die wir schauen. Und dann auch noch um die Geister die sich im Netz manifestieren, egal ob es »Geister» sind (von Lebenden — vielleicht dem Betrachter selbst — bewusst gesteuert) oder Gespenster (die sich sich ohne Sinn und Absicht selber reproduzieren und herumspuken). Auf jeden Fall bewegen wir uns in einer von uns selber und von allen durcheinanderschwirrenden Echos dicht bevoelkerten Immaterie.

Mit Referenz an Boris Groys (Im Namen des Mediums, Supposé Koeln, 2004) an Viktor Mazin (Freuds Gespenster. 2004, Matthes&Seitz, Berlin 2015) und an den hilfsbereiten Herrn, der mir freundlicherweise helfen wollte, meine infected Files & Folders von meinem Computer zu loeschen . . .

20180715 TMS

GM#5 — . . . soweit nichts Ueberraschendes (zu Pfingsten): die Logik des Spuks ! — Geister & Medien

LOGIK DES SPUKS (nichts Ueberraschendes) — Geister und Medien #5 als mp3 hoeren:


»Nichts Ueberraschendes» in der pfingstlichen Geisterstunde von RadioDifficulture:

»Es ist die Logik des Spuks, die konsequent die Logik binaerer Oppositionen aufloest — solcher wie Herr und Gast, Abwesenheit und Anwesenheit, Sichtbares und Unsichtbares, Gefuehltes und Begreifbares, oder physische und praktische Realitaet. Das Gespenst ist gleichzeitig hier und nicht hier, es ist sichtbar und unsichtbar, seine Anwesenheit ist spuerbar, doch der Verstand sagt, dass es nicht existiert» (Mazin)

Meine ebenso widerspruechlichen wie dogmatischen Nebensaetze im Vor- bzw. Nachhall dieser Audiocollage:
— die Behauptung von Widerspruchsfreiheit (in Organisationen wie z.B. dem Israelischen Staat, der katholischen Kirche, einer Bank oder einer Kunsthochschule) ist immer ueberzeugender Hinweis darauf, dass auch dort — wie nirgendwo, wo ueberhaupt etwas gesagt wird — keine Widerspruchsfreiheit sein kann
— wer nicht wenigstens insgeheim daran glaubt, dass Geister in und aus uns kommen, liest keine Zeitung, schaut nicht fern, benutzt kein Geld, spricht nicht, nutzt keine Medien
— selbstverstaendlich muss Geist/ muessen Geister nicht Geist/Geister genannt werden — die Wellen der Indifferenz (in der Selbstgegenwaertigung der Gegenwart) ermoeglichen das Auslassen aller Begriffe, — aber dies kann nicht durch die Indifferenz ausgedrueckt werden, also nutzen wir doch weiterhin die Technologie der sprachlichen Differenzierung (oder anderswo auch das Rechnen mit den irrationalen Zahlen) um die Wellen der Indifferenz ein bisschen anzuschaukeln
— ». . . noch die ausdrueckliche Sprache selbst sollte zusaetzlich zum absoluten Schweigen des Selbstbezugs hinzukommen» (Derrida) — waehrend dem Reden schweigen wir also immer auch
— Wellen der Indifferenz
— die Behauptung Gegensaetzlichkeit von Leben und Tod kann in dieser Form nicht weiter aufrecht erhalten werden

20180520 TMS

Quellen verwendeter Texte:
– Jacques Derrida, Die Stimme und das Phaneomen (1967). Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2003
– Viktor Mazin, Freuds Gespenster (2004). Matthes&Seitz, Berlin 2015

GM#4 — Spring, Beautiful Spring ! (koerperlose Stimmen #2) — Geister & Medien

SPRING, BEAUTIFUL SPRING — Geister und Medien #4 als mp3 hoeren:


Ich stelle in dieser Sendung in groben Zuegen mein Kulturpublizistk-Abschlussprojekt an der Zuercher Hochschule der Kuenste vor. »Koerperlose Stimmen — Geister- und Medienkonzepte» heisst das Masterprojekt, an dem ich zu arbeiten begonnen habe, und das sich bis Ende Jahr weiterentwickeln soll. Zwischenberichte ueber die anstehende Reise durch die sozialen Resonanzen »des Aethers» werden weiter vier mal ueber denselben Kanal erstattet:
RadioDifficulture: 20.5., 15.7., 7.10., 2.12. — jeweils Sonntags 21.45 Uhr —
Vielleicht gibt’s weitere Reminder, vielleicht auch nicht

In der Sendung vom Sonntag streife ich durch Gebiete der Radiogeschichte, begegne einem Bericht Aby Warburgs ueber Wassergeister, lese Saetze von Mario Perniola ueber das Fuehlen, vernehme aus fluesterndem Espenlaub Carl-Gustav Jungs Wunsch, die Psychoanalyse als ekstatische Religion aufzubauen, und leihe meine Stimme Allen Ginsberg, der auf Père Lachaise zum Gesang auf den Orphiker Wilhelm Albert Włodzimierz Apolinary de Wąż-Kostrowick anstimmt: »At Apollinaire’s Grave»

Sehr gern nehme ich jede Art von Resonanz entgegen, wenn sie sogar verbale Form anzunehmen vermag, ist das natuerlich besonders wertvoll — egal, ob sie ermunternd oder kritisch, oder kritisch-ermunternd oder auch meinetwegen vernichtend waere . . . Das geht in 3d, ueber Mail oder warum auch nicht ueber Facebook (Id: Strebelinsky)

dedicated to my Sisters
Und ich wuensche: Beautiful Spring !
tobias marcos

Quellen verwendeter Texte & Audiodaten:
– Old-Time Radio Shows: „On the Air“ 1937 Chevrolet (featuring David Robinoff)
https://www.youtube.com/watch?v=R9qGcRg2rjQ ((Rubinoff trat nicht nur in hunderten von Radiosendungen auf, sondern war mit seiner Stradivarius auch im Weissen Haus gern gesehen))
– Boris Groys, Im Namen des Mediums, Audio-CD, Supposé. Wyk auf Föhr, 2004
– Jacques Derrida, Die Stimme und das Phaneomen (1967). Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2003
– Aby Warburg, Schlangeritual. Wagenbach, Berlin 1988 (zit-S13)
– Mario Perniola, Ueber das Fuehlen (1991). Merve, Berlin, 2009 (zit-S19)
– Mario Erdheim, Einleitung zur Lektuere Freuds »Totem und Tabu» in: Sigmund Freud, Totem und Tabu (1914). S.Fischer, Frankfurt a.M. 2002 (zit-S16)
– Allen Ginsberg, Kaddish and other Poems 1958-1960. City-Light-Books, San Francisco, 1961 (zit-S48: »at Apollinaire’s Grave»)

GM #3 — Ghost Dance — to come from nowhere (Geister & Medien #3)

RDiff_GhostDance

RadioDifficulture: Ausstrahlung auf Radio Lora 97,5 MHz, SO21, am 28. Januar 2018, 21.45 h

GHOST DANCE — to come from nowhere — Geister und Medien #3 als MP3 hoeren:


Zu Anfang der technischen Revolution gerieten Geister scheinbar in Vergessenheit, doch gerade durch Fotografie, Kino und durch die Audio- und Fernmeldetechnologie oeffnete sich ihnen ein neuer Raum: »Now they often jump on radiowaves . . . »

Eine sonntagabendliche Scéance, bzw. ein radiophonischer »Remix» von »Ghost Dance», dem Film Ken Mc Mullens (1983) mit Jacques Derrida, in dem viele Facetten von Geistern und Medien vergegenwaertigt werden. — »Ghost Dance» war ebenso der Name einer Emanzipationsbewegung amerikanischer Natives im neunzehnten Jahrhundert, die 1890 im Massaker von Wounded Knee niedergeschlagen wurde.